Presse
19.11.2011, 08:00 Uhr | Walsroder Zeitung
Vorläufiges Ende einer Schlammschlacht
Vorstandswahlen bei Samtgemeinde-CDU scheitern / Pieper kontert / Rump rettet Versammlung

Schlechter Kommunalwahlkampf, deutliche Niederlage bei der Samtgemeinde-Bürgermeisterwahl, schlechtes Ergebnis bei der Samtgemeinderats- bzw. den Gemeinderatswahlen: Das war die Ausgangslage, bevor der Vorstand der Schwarmstedter Samtgemeinde-CDU wenige Tage vor der Generalversammlung mit Vorstandswahlen Anfang der Woche zu einem Pressegespräch bat und die Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Gudrun Pieper scharf angriff (WZ berichtete). Dass die "Schlammschlacht" am Donnerstag bei der Versammlung fortgesetzt werden würde, war zu erwarten...

Müssen weitermachen: Weil kein neuer Vorstand gefunden wurde, leiten Jochen Schierbaum (re.), Peter Stein (li.) und Oliver Dröse (nicht auf dem Bild) die Samtgemeinde-CDU weiter.
Schwarmstedt.  Es ist seltsam, dass Parteien, Vereine oder Organisationen in einem ohnehin desaströsen Zustand oft dazu neigen, eine öffentliche Selbstdemontage zu betreiben. So geschehen auch am Mittwoch in Schwarmstedt, wo die Mitgliederversammlung der Samtgemeinde-CDU zusammentraf, um die Geschehnisse der jüngsten Zeit aufzuarbeiten und einen neuen Vorstand zu wählen. Um es vorweg zu nehmen: Beides gelang nicht. Die Aufarbeitung drohte zu eskalieren, wäre nicht Henrik Rump aufgestanden und hätte der Versammlung eine entscheidende Wende gegeben. Ein neuer Vorstand konnte nicht gewählt werden, weil es zurzeit keine idealen Kandidaten gibt und sich – verständlicherweise – mögliche Kandidaten angesichts der Ereignisse nicht gerade nach vorne drängen.
Die Chronologie: Noch vor Eröffnung der Tagesordnung gab Gudrun Pieper eine rund 15-minütige persönliche Erklärung ab, in der sie die gegen sie erhobenen Vorwürfe „aufs Schärfste“ zurückwies, von einer Diskreditierung sprach und dem amtierenden Vorstand vorwarf, mit den Anschuldigungen gegen sie von den eigenen Schwächen und Fehlern abzulenken. Auf „perfide Art und Weise“ sei sie in der Öffentlichkeit angegriffen worden, mit dem Ergebnis, dass nicht nur ihr selbst, sondern vor allem der CDU geschadet worden sei. Gudrun Pieper nahm sich ihre Gegner aus der eigenen Reihe einzelnd vor und griff sie auch persönlich an: (Zu Peter Stein: „Außer Meckern ist bei ihm gar nichts, wenn es schwierig wird, schmeißt er hin und rennt weg.“ Zu Oliver Dröse: „Er hinterlässt überall, wo er sich engagiert, Scherbenhaufen. Bei 89 Stimmen bei der Kommunalwahl sollte er nicht so eine dicke Lippe riskieren.“) „Was ihr euch geleistet habt, mich so zu verletzen, ist ungehörig und eine Schande für die CDU“, rief die Kreisvorsitzende ihren Kontrahenten zu und erntete dafür starken Applaus aus der Versammlung.
Bei dem Rechenschaftsbericht besonders für das letzte Halbjahr bekam der Außenstehende nicht gerade den Eindruck, dass es dem Vorstand an Arbeit gemangelt habe. Viele Termine und Aktionen mussten koordiniert, vorbereitet und durchgeführt werden. Oftmals schien es dem Vorsitzenden Jochen Schierbaum, seinen Vorstandskollegen und der Bürgermeisterkandidatin Dorothee Hiby-Durst schlicht und einfach an der nötigen breiten Unterstützung von den rund 120 Mitgliedern gefehlt zu haben. Warum Gudrun Pieper dabei zusätzlich in die Schusslinie geriet, blieb dem Beobachter bei der Versammlung verschlossen.
Henrik Rump, aber auch Siegfried Michalzik rissen das Steuer herum, als die Versammlung endgültig in einer öffentlichen Selbstdemontage zu enden drohte. „Wir sollten bekennen, dass wir gemeinsam verloren haben, deshalb müssen wir auch jetzt gemeinsam anpacken und nach vorne schauen“, so Michalzik. „Wir brauchen nicht mehr darüber zu reden, wer was falsch gemacht hat, das bringt uns nun wirklich nicht weiter. Stattdessen müssen wir verlorenen Boden zurückgewinnen“, so Rump, der die CDU-Fraktion im Samtgemeinderat führt. Diese Aufrufe führten dazu, dass Gudrun Pieper auf die Beantwortung eines langen Fragenkataloges verzichtete, den sie dem Vorstand vorgelegt hatte. Die Vorstandswahlen brachten kein Ergebnis. Der zurückgetretene Vorstand wird jetzt entsprechend der Satzung den Verband kommissarisch weiter führen. Dem Vernehmen nach zeichnet sich aber hinter den Kulissen eine Vorstandsbildung ab, die in rund zwei Monaten abgeschlossen sein könnte. „Manchmal ist es gut, wenn ein Gewitter die Luft reinigt und es danach mit frischer Kraft weitergeht“, meinte Gudrun Pieper und räumte ein, dass sie „vielleicht nicht immer den richtigen Ton getroffen“ habe.
Rolf Hillmann
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